Ein Sonntag im Mai, still und verheißungsvoll. Das Licht fällt weich in den Innenhof, alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. Wie jeden Morgen richtet die Ich-Erzählerin ihren Blick auf das gegenüberliegende Fenster der Mutter - ein stummes Ritual der Vergewisserung, dass alles in Ordnung ist. Doch an diesem Tag bleibt das Fenster geschlossen. Was als flüchtige Irritation beginnt, wächst sich im Laufe der Stunden zu einer quälenden Unruhe aus. Gedanken kreisen, Erinnerungen drängen sich auf, alte Verletzungen und unausgesprochene Konflikte treten hervor. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, stets von Nähe und Distanz zugleich geprägt, beginnt sich neu zu ordnen. Während draußen das Leben scheinbar ungerührt weitergeht, gerät im Inneren der Erzählerin alles ins Wanken. Was, wenn sich hinter dem geschlossenen Fenster mehr verbirgt als bloße Abwesenheit? Und was, wenn dieser Tag unwiderruflich etwas verändert? Das Fenster ist ein Roman über Wahrnehmung und Projektion, über nie zur Ruhe kommende familiäre Bindungen und die Furcht vor dem unwiderruflichen Ende des Gewohnten.