Ein junger Arzt, allein auf einem Landposten in der russischen Provinz, greift zur Spritze, um einen akuten Schmerz zu lindern - und wird zum Patienten seiner eigenen Verschreibungen. Bulgakows "Morphin" hat die Form eines Tagebuchs: Dr. Poljakow notiert seinen Verfall Dosis für Dosis, mit dem Blick des Mediziners und einem Spielraum, der von Eintrag zu Eintrag enger wird. Die Aufzeichnungen lesen sich wie ein Protokoll: erst Erleichterung, dann Gewöhnung, dann Zwang. Bulgakow wusste, wovon er schrieb - selbst Landarzt, überwand er eine eigene Morphiumabhängigkeit, bevor er Schriftsteller wurde. Vielleicht deshalb moralisiert der Text nie: Er zeigt eine Mechanik, wie der Wille sich langsam gegen sich selbst wendet. Diese deutsche Neuübersetzung präsentiert Michail Bulgakows "Morphin" als sorgfältig editiertes eBook - das Protokoll einer Hellsichtigkeit, die der eigenen Niederlage zusieht, verfasst von jemandem, der sie selbst durchlebt hat.